Eva Lezzi
Autorin

 

Leseprobe Beni, Oma und ihr Geheimnis

Die Rennbahn

© Anna Adam

 

 

Am nächsten Tag regnet es. Beni und Opa sitzen auf dem Sofa, Opa liest Zeitung und Beni sein Buch mit Piratengeschichten. Beni hat die Füße unter Opas Oberschenkel gesteckt, da ist es schön warm. Es ist ultragemütlich so zu sitzen und dabei das Rascheln von Opas Zeitung, draußen den Regen und aus der Küche Omas Singen und Geschirr-Geklappere zu hören.

Als aber Oma und Opa nach dem Mittagessen erklären, dass sie jetzt einen Mittagsschlaf machen, findet Beni sein Wochenende bei den Großeltern nicht mehr ultragemütlich, sondern stinklangweilig. Er hat nun wirklich keine Lust mehr auf sein Piratenbuch! Wenn er doch nur zuhause wäre und seine Rennbahn aufbauen könnte! Und am liebsten würde er sogar Tabea mitspielen lassen, obwohl sie dann immer Streit bekommen um das rote Rennauto, das ein ganz kleines bisschen schneller fährt als das grüne und das blaue. Da fällt Beni die Kiste mit den Autos ein, die im Kinderzimmer steht. Beni schleppt die Autokiste ins Wohnzimmer. Mit dem größten Buch, das er im Bücherregal finden kann, baut er eine Rennbahn-Sprungschanze.

Zuerst müssen die Autos oben auf dem Esstisch drei Runden im Kreis sausen und dann über das schräg an den Tisch gelehnte Buch runter auf den Stuhl, mit Schwung durch die Öffnung in der Stuhllehne, und schließlich fliegen sie durch die Luft und landen im Sofa. Wenn die Autos besonders schnell sind, schaffen sie zwischen Stuhl und Sofa sogar einen Looping. Jetzt ist der gelbe Ford dran: Dreimal um den Tisch, mit Karacho über das Buch und – „Yeah!“ schreit Beni, der rasende Reporter: „Ein Doppellooping!“. Das Auto landet jedoch nicht auf dem Sofa, sondern hinter dem Blumentopf mit dem großen Kaktus, der neben dem Sofa steht. Beni versucht, das Auto mit lang ausgestrecktem Arm wieder hervorzuangeln, verliert jedoch das Gleichgewicht und stößt gegen den Kaktus, der mit einem lauten Krabum umfällt. Zum Glück zerspringt der Topf nicht, aber die Erde kullert über den Teppich und eine Blüte ist abgeknickt. Und dabei hat Opa Beni die großen roten Blüten heute Vormittag noch voll Stolz gezeigt und ihm erklärt, wie selten und wie kurz Kakteen blühen.

Beni versucht, den Topf wieder aufzurichten, aber alleine schafft er es nicht. Da kommt zum Glück Oma, die vom Lärm aufgewacht ist, und hilft Beni, den großen Kaktus wieder hinzustellen. Zusammen kehren sie die Erde auf und versuchen, sie an den Stacheln vorbei zurück in den Topf zu bugsieren. Das ist gar nicht so einfach und immer wieder bröselt ein Teil der Erde zurück auf den Teppich. Auf einmal hören sie Opas Stimme: „Was macht ihr denn da? Was habt ihr mit meinem Kaktus angestellt?“ Opas Stimme klingt sehr ärgerlich und seine Stirn zieht sich über den Augenbrauen zu steilen Falten zusammen. „Na ja“, meint Oma, „das tut uns wirklich leid mit dem Kaktus, aber unser Rennauto hat einen Doppellooping mit angehängtem Rückwärtssalto gemacht und dabei ist es gegen den Kaktus gestoßen.“ Beni schaut seine Oma ganz verwundert an, sie war doch gar nicht dabei beim Doppellooping, aber sie zwinkert ihm zu und da nickt Beni heftig, ja, so war es, so ist der Kaktus leider umgekippt. „Hm, so, so“, brummt Opa und hilft den beiden, wieder Ordnung zu schaffen.

 

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